Die Inthronisation der Jakobus-Statue (März 2026)
Einleitung und Kontext der Ankunft
In feierlicher Erwartung und nach einer fünfjährigen Phase der spirituellen Vorbereitung durfte die Gemeinde im März 2026 die Ankunft und Inthronisation der neuen Jakobus-Statue erleben. Obgleich die Ankunft ursprünglich für die Tage vor dem 21. März avisiert war, erreichte das Kunstwerk den Sakralraum schließlich am 24. März. Mit tatkräftiger Unterstützung wurde die Statue auf dem historischen Taufbecken festgemacht, welches nun als ehrwürdiges Fundament im Baptisterium dient.
Dieses Ereignis markiert die Vollendung der sogenannten „Tauchkampwelle“ (Taufkapelle). Was den Schulkindern und der Gemeinde über ein halbes Jahrzehnt hinweg als Vision verkündet wurde, hat nun seine physische Entsprechung gefunden. Der Raum gewinnt durch die Präsenz des Heiligen Jakobus seine endgültige sakrale Bestimmung als Ort des Innehaltens und der Sendung.
Visuelle Chronologie der Enthüllung














Die feierliche Revelatio der Statue vollzog sich in einer liturgisch dichten Abfolge, welche die Spannung der Offenbarung für die versammelten Gläubigen spürbar machte:
- Die Verhüllung: Zu Beginn der Zeremonie war das Kunstwerk der Künstlerin Annette Zappe (Kempten) vollständig unter einem schweren, smaragdgrünen Tuch verborgen. Die Stofflichkeit des Tuches maskierte die Silhouette und lenkte die Konzentration der Gemeinde auf den massiven Steinsockel im Zentrum der Kapelle.
- Der Akt der Enthüllung: Zwei Vertreter der Gemeinde lüfteten gemeinsam den grünen Schleier. In einer fließenden Bewegung wurde das Tuch nach hinten gezogen, wodurch die Bronze-Statue erstmals in ihrer vollen Dynamik im hellen Licht der Kapelle erstrahlte.
- Die erste Gesamtschau: Unmittelbar nach der Enthüllung offenbarte sich die meisterhafte Gestaltung der stufenartigen Steinplatten des Fundaments. Die Gemeinde war eingeladen, den Heiligen zu umschreiten und die Wirkung der Statue aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren – von der dynamischen Profilansicht bis zur eindringlichen Frontalansicht.
Detaillierte Symbolik und theologische Deutung
Die von Annette Zappe geschaffene Darstellung des Jakobus ist reich an theologischen Chiffren. Die Statue steht in einem mit feinem Sand gefüllten Metallrahmen, in dessen Front die Worte „HEILIGER JAKOBUS“ eingearbeitet sind.
Das geöffnete Buch
Seit der Spätbarockzeit übliches Attribut; symbolisiert den Missionsauftrag (Matthäus-Evangelium). Das Buch ist seitlich geöffnet, sodass Vorbeigehende das Wort Gottes symbolisch mitlesen können.
Welches Wort lasse ich mir ans Herz legen?
Der Pilgerstab
Überdimensioniert als Zeichen für den spirituellen Halt. Als „dritter Fuß“ des Pilgers verweist er auf die Trinität und schenkt Stabilität, wo die nackten Füße des Wanderers Halt suchen.
Wo oder wodurch finde ich Halt in meinem Leben?
Die Jakobsmuschel
Verweist auf die Legende des geretteten Ritters, den Jakobus vor dem Ertrinken bewahrte. Als Schutzsymbol und Erkennungszeichen (gelb auf blauem Grund) ist sie am Hut des Heiligen unübersehbar.
Wann habe ich mich in meinem Leben beschützt gefühlt?
Der Abstieg vom Sockel
Jakobus verlässt die statische Unbeweglichkeit. Er steigt über steinerne Stufen herab zu den Menschen; ein Ausdruck des Prinzips „Leben lebt vom Aufbruch“.
Zu wem bin ich herausgefordert, von meinem „Sockel“ herunterzukommen?
Nackte Füße
Zeichen der apostolischen Einfachheit und der Ehrfurcht vor dem „heiligen Boden“. Sie symbolisieren zugleich die Empfindsamkeit und die menschliche Verletzlichkeit des Suchenden.
Wo bin ich in meinem Alltag besonders empfindsam oder spüre viel?
Das Kreuz im Fundament
In den Steinplatten des Weges ist ein Kreuz eingelassen. Jakobus beschreitet seinen Weg nicht im Leeren, sondern auf dem Fundament des christlichen Glaubens.
Auf welchem Grund stehe ich in meinem Leben?
Die ästhetische Wahrnehmung: Perspektivwechsel
Die Physiognomie der Statue löste in der Gemeinde einen lebhaften Diskurs aus. In der Seitenansicht wird Jakobus als „junger Mensch“ wahrgenommen, der voller Schwung und Elan seinen Mantel trägt. Tritt man jedoch direkt vor die Statue, wandelt sich dieser Eindruck fundamental. Das Antlitz wirkt gezeichnet, fast mürrisch oder zumindest tief angestrengt. Dieser Kontrast spiegelt die theologische Wahrheit wider, dass der Weg des Glaubens zwar jung und voller Aufbruch beginnt, aber durch die Mühsal und Ernsthaftigkeit der Nachfolge das Gesicht eines Menschen reifen und zeichnen lässt.
Ausblick: Ein Ort der Stille am Jakobusweg

Die Jakobus-Statue fungiert fortan als Ankerpunkt eines neu geschaffenen Raumes der Stille. Die architektonische Ausrichtung der Kapelle ist bewusst gewählt: Die Tür zum Außengelände soll künftig regelmäßig geöffnet werden, um eine direkte Verbindung zum Hessischen Jakobusweg herzustellen.
Damit öffnet sich die Gemeinde weit über ihre Grenzen hinaus. Pilger, Suchende und Passanten finden hier einen barrierefreien Zugang zu Gebet, ausliegenden Texten und zur schweigenden Zwiesprache mit dem Heiligen, der seinen Sockel verlassen hat, um als nahbarer Begleiter auf den Wegen der Menschen präsent zu sein.
Durchgang Taufkapelle (öffnet Google Maps)
https://tinyurl.com/2yesvoxh
