Advent 2025

Weltuntergangsstimmung. So beschreibt es das Evangelium zum ersten Adventsonntag. Eigentlich erwarten wir doch in der Adventszeit auf: Kerzenlicht, Tannenzweige, Glühweinduft und Himmel frohlocket. Aber die Weihnachtsbeleuchtung schon Wochen vor dem Advent nimmt dem Anfang das Ende vorweg.
Dabei ist Advent mehr als nur das stimmungsvolle Warten auf das Kommen Jesu als Kind in der Krippe.

Advent bedeutet genauso das Warten auf das Kommen Jesu am Ende meines Lebens. Und wann das sein wird, das weiß kein Mensch.
Gleichwohl lässt Gott nicht auf sich warten,
nicht bis Weihnachten,
nicht bis ans Ende des Lebens,
nicht bis ans Ende der Zeiten, wenn er kommt die Lebenden und die Toten zu richten,
nicht bis zu dem Moment, wo wirklich alle Völker sich auf dem Weg zu ihm machen.
Selbstverständlich liegt diese Ankunft noch vor uns, aber zuerst gilt es doch im eigenen Leben mit der Gegenwart Gottes zu rechnen.

Genaugenommen ist das Leben eines Christen ein lebenslanger Advent. Ankunft. Und die Ankunft Gottes ist zunächst unabhängig von meinem Tun, aber nicht unabhängig von meiner Haltung.

Die Zeichen der Zeit deuten lernen, offen und bereit dafür sein, dass Jesus in meinem Leben ankommen will und adventliche Tugenden und Haltungen entfalten, die helfen falsche Vorstellungen, Urteile und Vorurteile abzulegen.

Dazu sollten wir diesen Advent nutzten, um die Wege wieder zugänglich zu machen, wo ich mir selbst begegnen kann. Denn es bleibt meine lebenslange Aufgabe: Jeden Tag, als neuen Anfang für mich selbst sehnsüchtig zu erwarten und für eine sanfte und liebevolle Berührung Gottes empfänglich zu sein.

Warum deuten so viele das Evangelium für sich als Weltuntergang? Weil sie oft vom Ende her, von der Zukunft ihr Leben gestalten. Adventliche Menschen leben vom Aufbruch in eine neue Welt, in der nicht Ellenbogen, Konkurrenz, und immer Mehr, Besser und Alles machen zu wollen und zu können im Vordergrund stehen, sondern Gerechtigkeit und das Miteinander. Wer kann ernstlich wollen und zulassen, dass die Nachbarin und der Nachbar, meine Nächsten also zurückgelassen werden?

Wo es doch in unserem Leben einzig und allein darum geht, Gott in die Welt zu bringen und sich von Ihm immer wieder überraschen zu lassen.

In diesem Überraschungshorizont Gottes zu leben, mag heute vielleicht schwieriger sein als zu Zeiten des ersten Advents. Doch im Heiligen sind wir als Pilger der Hoffnung unterwegs, die sich eingeübt haben ins Warten, Hoffen und Lieben.

Im Namen des Vorstandes: Eine gesegnete Adventszeit!
Markus Schmidt, Pfr.